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„Frisch gehopst ist halb gewonnen“ lautet das Motto der sechs Aufführungen des Evangelischen Seminars in Blaubeuren im April 2025. Ob Hase "Lodengrün" es schafft, sich die Gunst der Prinzessin zu ersingen?

Beliebt in der Region sind die Theateraufführungen des Evangelischen Seminars in Blaubeuren. Dieses Jahr ging das Ensemble neue Wege und führte ein Musical für Kinder und Erwachsene auf: „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ von James Krüss, entstanden in den 50er-Jahren, in den vergangenen Jahren recht erfolgreich neu aufgelegt als Hörspiel und CD.

Aufgeführt wurde das 60-minütige Stück dreimal vor über 300 Blaubeurer Grundschulkindern, für die schon der Theaterraum, das ehrwürdige Dorment im Kloster, etwas ganz Besonderes war. „Wir wollten unser Seminar auch bei Jüngeren bekannt machen“, sagte Regisseur Sebastian Gengnagel.  

An drei weiteren  ausverkauften Abenden kamen zudem Erwachsene und Kinder, darunter auch die Familien der Mitwirkenden, in den Theatergenuss. Nach der Begrüßung durch Ephorus Jochen Schäffler folgte vor dem „Sängerkrieg“ zunächst ein vielgestaltiges „Tierisches Konzert“, mit Zylinder charmant und witzig moderiert von Marvin Graser (21/25). Jan Liermann, Musiklehrer am Seminar, dirigierte mit leichter Hand das mehrstimmig vorgetragene isländische Rabenlied Krummavisa, erinnernd an das im Seminar übliche zweite Frühstück, den „Geier“.

Ein "königlicher Fanfarenstoß"

Das hohe musikalische Niveau des Chors kam zur Geltung beim modern vorgetragenen Sehnsuchtslied Wenn ich ein Vöglein wär.  Vierhändig am Piano überzeugten Antonia Kawohl (22/26) und Paul Graf (23/27), mit Präzision, Können und Gefühl interpretierten sie die Suite Karneval der Tiere – von sanft flirrend bis kräftig trampelnd.

„Die Made“ von Heinz Erhard trug Marvin Graser (21/25) erheiternd vor. Maren Lempp (23/27) und Sam Freischlad (24/28) präsentierten ausdrucksvoll den Beatles-Song Blackbird, entstanden 1968 in den USA und Ausdruck der alltäglichen Diskriminierung, der Schwarze Frauen ausgesetzt waren: „Gebrochene Flügel, eingefallene Augen, die Sehnsucht nach Freiheit.“

Politisch interpretierbar ist auch das berührende traditionelle Zulu-Lied The Lion Sleeps Tonight des Duos Sam Freischlad (24/28) und Maren Lempp (23/27). Den Abschluss bildete, mit starkem Beat vorgetragen, Eye of the Tiger. Alle Beiträge beeindruckten durch hohe musikalische Qualität – ein Hinweis auf die gute Gesangs- und Instrumentalausbildung am Seminar.

Nach einer Pause wurde das Publikum mit „königlichem Fanfarenstoß“ zurück in den Zuschauerraum gerufen und von einer Moritatensängerin mit Drehorgel empfangen. Das muntere Stück beginnt: Bei einem Sängerwettbewerb der Heidehasen soll der beste Sänger mit selbstgedichtetem Lied ermittelt werden, der Sieger bekommt die Prinzessin zur Frau.

Ein korrupter Minister mischt mit

Das Bühnenbild: Frühlingsfrische Blumenwiesen, von Klasse 9 gemalt unter Regie von Kunsterzieherin Isabel Fuchs. Dazu stehen bereit zwei Polstersessel für das Auswahlkomitee, bestehend aus Herrn Direktor Wackelohr und dem Minister für Hasengesang, beide in Anzügen. Der Minister erweist sich als Schleimer und noch dazu als korrupt: Für „100000 Hasentaler“ sollen dem ältlichen Direktor zum Sieg verholfen und durch eine Intrige die Teilnahme des aussichtsreichsten jungen Kandidaten Lodengrün vereitelt werden. Beim Vorsingen nämlich singt Lodengrün tatsächlich sehr schön die Opernarie aus Der Hasenfrühling des „vor hundert Jahren verstorbenen berühmten Hoppelberger“. Der Betrug ist nicht aufzuhalten, denn „Ihre Majestät liebt solche Stimmen“ wie die des jungen Lodengrün, der das Motto „Frisch gehopst ist halb gewonnen“ repräsentiert.

Alle Rollen waren brillant besetzt, verkörperten überzeugend menschlich anmutende Charaktere. Vereint wurde das Hasenvolk durch hoppelnde und wippende graue Langohren, selbst entworfen und genäht. Huldvoll in feinem Kleid erschienen die solidarische Königinmutter und ihre Tochter zum Wettstreit. Sehr amüsant waren die Auftritte der Mitstreiter: Die Kinder und das Publikum wurden von Direktor Wackelohr durch „wunderschöööönen“ Schmachtgesang und Hyazinth Löffelstein – derart falsch und unverständlich zu singen muss man erst mal schaffen – zum Kichern gebracht. Beim aussichtsreichen Otto Lampe wippten Prinzessin und Königin schon mit. Das Unheil scheint seinen Lauf zu nehmen, doch gerade noch rechtzeitig erscheint Lodengrün und verrät in seiner Gesangsdarbietung, dass er ausgetrickst werden sollte, da die Uhr vor seinem Fenster vom Minister verstellt wurde. Das kleine Orchester auf der Bühne begleitete variantenreich, mit Fanfaren und Trompeten, Festmusik und Cha-Cha-Cha.

Große Spielfreude

„Das Gute siegt“ zuletzt. Lodengrün gewinnt nach Abstimmung des Publikums die begeisterte Prinzessin (ihr Kommentar: „Hübsch sieht er aus“), er hingegen verspricht, sie glücklich zu machen. Was will man mehr? In seiner Familie sei nämlich noch nie eine „Spaßbremse wie Direktor Wackelohr“ vorgekommen. Die Betrüger fliehen aus dem Land, bei der Hochzeit singt der Hasenchor.

Lang anhaltender Beifall von Groß und Klein für eine heitere, mit großer Spielfreude professionell dargebotene Theateraufführung mit vielen amüsanten Details. Beeindruckend, dass nahezu alle Seminaristinnen und Seminaristen je nach Interesse vor oder hinter den Kulissen mitwirkten: als Schauspieler und Sänger, als Orchestermusiker, als Techniker, Souffleuse, bei Kostüm und Maske, bei der Plakat- und Programmgestaltung, an der Kasse. Regie führte Sebastian Gengnagel unter Mitwirkung des Ensembles.

Ilse Fischer-Giovante

Schwäbische Zeitung vom 18. 4. 2025

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