{"id":78979,"date":"2024-11-22T19:35:09","date_gmt":"2024-11-22T18:35:09","guid":{"rendered":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/?p=78979"},"modified":"2024-11-24T19:35:19","modified_gmt":"2024-11-24T18:35:19","slug":"gold-glaenzt-wie-neu-dank-alkohol-und-pinsel-restaurierung-des-hochaltars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/2024\/11\/gold-glaenzt-wie-neu-dank-alkohol-und-pinsel-restaurierung-des-hochaltars\/","title":{"rendered":"Gold gl\u00e4nzt wie neu dank Alkohol und Pinsel &#8211; Restaurierung des Hochaltars"},"content":{"rendered":"<h4>Wie Markus Heberle dem ber\u00fchmten Blaubeurer Kunstwerk wieder zu fr\u00fcherer Strahlkraft\u00a0verholfen hat.<\/h4>\n<p><em>v<\/em><em>on Thomas Spanhel, Das Blaum\u00e4nnle, 22.11.2024<\/em><\/p>\n<p>Die Blattgold-Fl\u00e4chen des weltber\u00fchmten Blaubeurer Hochaltars gl\u00e4nzen wieder frisch. Staub und Schimmel hatten sich auf dem 530 Jahre alten Meisterwerk aus Ulmer K\u00fcnstlerwerkst\u00e4tten breit gemacht. In aufwendiger Detailarbeit und im Rahmen der \u201egr\u00f6\u00dften Restaurierung seit 30 Jahren\u201c hat der Sachverst\u00e4ndige Markus Heberle den Altar wieder soweit m\u00f6glich in seinen Originalzustand verwandelt.<br \/>\nHeberle liebt die Arbeit an dem viel ger\u00fchmten Kunstwerk: \u201eVon der Qualit\u00e4t der verwendeten Materialen bis zur malerischen Ausf\u00fchrung: Das war damals das Beste vom Besten in ganz S\u00fcddeutschland.\u201c Das Kloster als Auftraggeber hatte genug Geld, um sich ein so au\u00dfergew\u00f6hnliches Schmuckst\u00fcck leisten zu k\u00f6nnen. Das mache sich in jedem Detail bemerkbar, erl\u00e4utert Heberle: Die K\u00fcnstler damals haben beispielsweise \u201edrei Mal so dickes Gold aufgetragen, wie wenn man das heute machen w\u00fcrde\u201c. Die verwendete blaue Farbe wirke ganz samtig auch wegen der Verwendung von Eiwei\u00df und Halbedelsteinen bei der Herstellung. Entsprechend\u00a0 wenige Stellen an dem Altar seien selbst nach \u00fcber 500 Jahren besch\u00e4digt oder mussten retuschiert werden.<br \/>\nHauptproblem war in den vergangenen Jahren die Schimmelbildung aufgrund der Feuchtigkeit im Raum. Auch weil Heberle bei j\u00e4hrlichen Kontroll-Untersuchungen die Ausbreitung des Schimmels vor allem auf den 16 Gem\u00e4lden der Lebensgeschichte von Johannes dem T\u00e4ufer mitverfolgte und dokumentierte, entschied sich das Land als Eigent\u00fcmer des Hochaltars schlie\u00dflich daf\u00fcr, im Sommer ein neues L\u00fcftungssystem im Chorraum einzubauen. Au\u00dferdem wurde der Kriechgang unter dem Chorgest\u00fchl trockengelegt. Ein neuer Vorhang am Zugang zur Petrikapelle verhindert jetzt das unkontrollierte Nachstr\u00f6men von feuchter Frischluft.<br \/>\nDer besondere Standort der Klosteranlage in einem Talwinkel und die vom Blautopf erh\u00f6hte Feuchtigkeits-Abgabe hatten im Chorraum \u201ezu bauphysikalischen und darauffolgend zu mikrobiologischen Sch\u00e4den\u201c gef\u00fchrt, erl\u00e4utert Diana Marquardt, Abteilungsleiterin bei der Staatlichen Verm\u00f6gens- und Hochbauverwaltung. Der Unterschied gegen\u00fcber der etwas muffigen Raumluft fr\u00fcher f\u00e4llt jedenfalls sofort auf, wenn man jetzt in den frisch bel\u00fcfteten Chorraum tritt.<br \/>\nAuch wegen der Bauarbeiten an der neuen L\u00fcftungsanlage legte sich Staub auf den Altar, eine gr\u00fcndliche Reinigung wurde n\u00f6tig. Mit einem weichen Ziegenhaar-Pinsel und Staubsauger wurde in einem ersten Schritt grober Schmutz von einzelnen Teilen des Kunstwerks geholt. Im zweiten Schritt holte Heberle festsitzendere Verschmutzungen wie etwa Schimmel von den Oberfl\u00e4chen. Und in einem dritten Schritt desinfizierte der Restaurator die Oberfl\u00e4chen mit einem speziellen Alkoholgemisch, um zu verhindern, dass sich der Schimmel schnell wieder ausbreitet. Gut zwei Stunden braucht Heberle, um etwa Maria mit Jesuskind, die zentrale, mehr als lebensgro\u00dfe geschnitzte Schreinfigur des Ulmer Meisters Michel Erhart komplett zu restaurieren. Und beispielsweise die feine Farbgebung auf den Skulpturen wieder zur Geltung zu bringen: \u201eEs ist eine wunderbare Sache, wie nahtlos bei Maria die fleischfarbene Bl\u00e4sse der Haut in ihr zartes Wangenrot \u00fcbergeht\u201c,\u00a0 schw\u00e4rmt er.<br \/>\nDie Zeit, in der das Ger\u00fcst f\u00fcr die Restaurierung vor dem Altar stand, nutzten auch Schulleiter Jochen Sch\u00e4ffler und Sch\u00fcler des Evangelischen Seminars, um die Besonderheiten des Hochaltars aus der N\u00e4he zu bewundern. Sch\u00e4ffler faszinierten besonders die kleinen, teils auch humorvollen Details, die in die Tafelbilder des Altars vor allem vom Maler Bartholom\u00e4us Zeitblom und dem unbekannten \u201eMeister der Blaubeurer Kreuzigung\u201c eingearbeitet sind. So etwa ein Mann, der sich mit Klettereisen in eine steile Felswand wagt, ein idyllischer Bauerngarten oder die reich verzierten Kleidungs-Borten der Frauen. \u201eInteressant sind auch die vielen Graffiti \u00fcberall auf dem Altar\u201c, berichtet Sch\u00e4ffler: Darunter befinden sich Klostersch\u00fcler aus vier Jahrhunderten, die sich in dem Kunstwerk verewigen wollten. Mit rund 25 Seminarsch\u00fclern veranstaltete der Schulleiter w\u00e4hrend der Altarrestaurierung eine besondere Aktion: 24 Stunden lang schl\u00fcpften die Jugendlichen in die Rolle eines mittelalterlichen M\u00f6nches \u2013 und lie\u00dfen sich von Heberle auch ins Handwerk eines Restaurators einf\u00fchren. Sch\u00e4ffler hofft, dass der Hochaltar auch in seinen gewandelten Formen mit den gro\u00dfartigen Gem\u00e4lden zu liturgischen Zwecken noch \u00f6fter sichtbar wird. Momentan werden die Seitenfl\u00fcgel des Altars aus Gr\u00fcnden der Erhaltung nur ganz selten bewegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Markus Heberle dem ber\u00fchmten Blaubeurer Kunstwerk wieder zu fr\u00fcherer Strahlkraft\u00a0verholfen hat. von Thomas Spanhel, Das Blaum\u00e4nnle, 22.11.2024 Die Blattgold-Fl\u00e4chen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":78981,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[184,189],"tags":[],"class_list":["post-78979","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","category-seminar"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78979","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78979"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78979\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":78980,"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78979\/revisions\/78980"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78981"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78979"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/seminar-blaubeuren.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}