Blaubeuren / Thomas Spanhel 02.11.2018

Wir wollen für gute äußere und innere Bildungsräume sorgen“: Mit diesen Worten hat Landesbischof Frank Otfried July am vergangenen Freitag die Bedeutung der zwölfjährigen Umbau- und Sanierungsarbeiten im Kloster Blaubeuren für die evangelische Kirche unterstrichen.

Viele Schüler, Lehrer, Eltern und an der Sanierung Beteiligte waren gekommen, um bei einem Gottesdienst vor dem Hochaltar den Abschluss der Bauarbeiten zu feiern. Im Anschluss daran wurde bei einem Festakt im Dorment auf Besonderheiten der langen Baugeschichte zurückgeblickt.

Die von der Landeskirche investierten 14 Millionen Euro seien zwar für die Gebäude ausgegeben worden, sie kämen aber der guten Bildung zugute, die das Seminar vermittle, sagte July in seiner Festpredigt. Er lobte die vielen Beteiligten, die viel „Zeit, Kraft, Geduld und Geld“ eingesetzt hätten, damit aus der Sanierung „hochgeistiges, geistliches Kapital“ werde. Im Seminar gebe es ein ganz eigenes Bildungsprogramm, in dem Informationen nicht beziehungslos im Raum stehen blieben, wie sonst so oft im Alltag. Es gehe um Werte, es gehe darum, aus der Gnade Gottes Leben zu entdecken, Orientierung zu finden, Verantwortung zu übernehmen.  Das sei gerade in der heutigen Gesellschaft wichtig, unterstrich July: „Wir wollen den Fliehkräften von Hassreden etwas entgegensetzen.“

„Sie vertrauen darauf, dass die 40 Tonnen Dach über Ihnen, auch dort bleiben, wo sie sind“, witzelte Ephorus Henning Pleitner in seiner Begrüßung. Dieses Vertrauen habe man vor einigen Jahren nicht mehr haben können. Jetzt aber schon wieder – dank der guten Sanierung. Die Entscheidung zum Erhalt des Seminars sei „mutig und richtig“ gewesen. Viele Lebensläufe zeigten, dass es im Seminar gelinge, den jungen Menschen Werte und „Herzensbildung“ zu vermitteln, die heute so nötig seien. „Viel Erfolg an der nunmehr schönsten Schule des Landes“, wünschte dazu Jörg Krauss, Ministerialdirektor im Finanzministerium. Zwölf, glücklicherweise unfallfreie Jahre der Sanierung seien sicher für Schüler und Lehrer „kein Spaziergang“ gewesen, hätten viel „Schmerz und Schmutz“ bedeutet. Umso mehr könne man nun stolz auf das „nationale Kulturdenkmal“ sein.

Der frühere Stuttgarter Prälat Martin Klumpp, der den Bauausschuss während der Sanierung leitete, erinnerte an die Begeisterung für die alten Gebäude, die alle an der Sanierung Beteiligten erfasste. Er bedankte sich einzeln bei Mitarbeitern des Landesamtes „Vermögen und Bau“, die „geduldig, klug und mit großer Detailkenntnis“ mit daran gearbeitet hätten, dass am Ende „schöne, finanziell angemessene und für die Nutzung des Seminars sinnvolle Lösungen“ standen. Die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz wiederum ehrte Klumpps unglaublichen Einsatz. Die Schülersprecherin lobte die jetzt freundlichen Schlafräume, modernen Bäder, das schöne Dorment oder auch „Superbedingungen“ für „Superköche“ der Seminarküche.

Schulorchester, Schulchor und Schulband unter Leitung von Musiklehrer Jan Liermann gestalteten Gottesdienst und Festakt musikalisch schön. Während einzelner Führungen gab es Einblicke in die Veränderungen am mittelalterlichen Gebäude. Im Refektorium, wo im 15. Jahrhundert schon die Mönche speisten, konnten sich die Gäste stärken.

Das Blaumännle, 2.11.2018